Station 1:
St. Anna zu Mulfingen -
Die Quelle des Heils

Ein Ort der Hoffnung und Dankbarkeit
Im Jahre 1510/11 wurde neben einem Gesund-
brunnen, der wohl schon in altgermanischer Zeit als
heilkräftig galt, die kleine Kapelle gebaut. Sie wurde
der heiligen Anna geweiht, der Mutter Marias, welche
in jener Zeit ein hell strahlendes Idol der Gläubigen
war.
Durch die Reformation geriet die Kapelle über 30
Jahre in Vergessenheit, die offizielle Sakralfunktion
der Kirche war aufgehoben und der aus der Vorzeit
stammende überlieferte Glaube an die Wunderkräfte
des Wassers war seines Wirkungsortes beraubt.
Die Kirche wurde ihrem Zweck entfremdet und dem
damaligen Förster Pankratius Nuss als Wohnstatt
überlassen.
Die St. Anna-Verehrung war während der Reforma-
tion zwar zurückgegangen aber nicht erloschen.
Die Verbundenheit der Bevölkerung und die starke
lebendige Überlieferung der Besonderheit dieses
Ortes fanden einige Jahre später im Dorf den Mann,
der sich tatkräftig für die Wiederherstellung des
Gotteshauses einsetzte: Der Amtsmann Arnold in
Jagstberg hatte einen immer wiederkehrenden
Traum, in dem er die Kapelle als Ziel vieler Pilger
sah, die ihr Heil im Gebet suchten und im Wunder-
wirken der Quelle. Nach zehnjährigem hartnäckigen
Kampf um St. Anna wurde 1596 in der Kapelle der
erste Gottesdienst nach 30 Jahren gefeiert. Nun
machte man sich an die Suche nach dem vermeind-
lich versiegten Brunnen. Die Quelle wurde gefunden,
und mit ihrem Sprudeln kamen die Pilger.
Erste Heilungsberichte verbreiteten sich in Windes-
eile. Die Hilfesuchenden nahmen hunderte von Kilo-
meter an Wegstrecke zu Fuß auf sich, um oftmals
bis zu vier Tagen zu warten, bis sie an das Wasser
von St. Anna kamen. Ein buntes lebhaftes Bild wie
das eines Heerlagers muss der Wallfahrtsort für die
Einheimischen agegeben haben.
Mit Gefäßen aller Art drängten sich Junge und Alte,
Krüppel und Sieche durcheinander. Schreiend,
zeternd, hoffend und bangend versuchten sie so
rasch wie möglich an das begehrte Wasser zu ge-
langen. Auf bischöflichen Befehl führte Arnold Proto-
koll über die Heilungserfolge 1597/98. So wurden 99
bekanntgewordene Fälle erfasst, wobei nur die
bedeutendsten und dauerhaften zur Sprache kamen.
Nach zwei Jahren der 1. großen Wallfahrt begann der
Brunnen unregelmäßig zu fließen und zu versiegen.
Auch der Strom der Pilger verebbte. Noch zwei mal
floss das “Gnadenwasser” mit der selben Wirkung
wie zuvor: 1646/47 und 1763/64. Leider gingen diese
Heilungsprotokolle verloren. Auch die Berichte der
letzten 200 Jahre sind nur lückenhaft dokumentiert.
Man mag seine Zweifel haben über die Wirksamkeit
von Heilquellen. Doch es ist zweifellos spürbar, auch
angesichts der vielen Danktäfelchen, dass St. Anna
ein Ort der Hoffnung und tiefer Dankbarkeit ist.
Allein schon diese Wahrnehmung an diesem heiligen Ort ist Balsam für die Seele.

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